Ram Air Section Technology RAST von Swing

posted by Markus 29. Februar 2016 0 comments
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Ram Air Section Technology RAST

Unter dem Motto „Unser Ergebnis ist DEIN Erlebnis“ wirbt Swing auf deren Internetpräsenz um die geschätzte Gunst der Gleitschirmpiloten – und das mit Erfolg und bereits seit über 20 Jahren. Das nun erstmals auf der Thermikmesse 2016 präsentierte neueste Ergebnis aus der Gleitschirmmanufaktur dürfte meiner Ansicht nach nun ebenfalls zum Erlebnis werden!

Mit der Ram Air Section Technology (RAST) verspricht Swing „eine einzigartige Einfachheit und Stabilität der Schirmkappe vor und während Kappendeformationen“ und mischt damit das bisherige Konstruktionskonzept im Gleitschirmbau gehörig auf. Swing selbst sieht die neue RAST-Technologie als „eine Innovation im Gleitschirmbau, die das Zeug dazu hat, eine neue Generation von Gleitschirmen hervorzubringen, die unseren Sport noch sicherer und einfacher machen.“

Mit dieser Ansicht setzt Swing selbst die Messlatte weit nach oben und provoziert Erwartungen. Nach meinem Besuch jedoch auf der diesjährigen Thermik und einem damit verbundenen intensiven und spannenden Gespräch mit Swing´s Sales Manager Lars Pongs sowie Michael Nesler´s Technologie-Vortrag sehe ich die Einschätzung von Swing zu deren neuester Technologie als nicht unbegründet… oder in meinen Worten kurz gesagt: Ich bin begeistert!

Das Problem: Großflächige Klapper und Schirmdeformationen

Der Grundgedanke ist dabei so einfach wie genial… welche Situation bringt uns Gleitschirmflieger während des Fliegens in der Luft in größte Not? Es ist der irreparable Verlust der Flugfähigkeit durch eine schwer deformierte Schirmkappe, meist verursacht durch großflächige Klapper und/oder Totalzerstörer. Wie also einen Schirm bauen, der diesen Moment bereits im Ansatz selbstständig verhindert bzw. deutlich erschwert?! Soweit die Theorie…

Die Lösung: Innendruck regulieren

… in der Praxis nennt Swing die technische Antwort auf diese Frage „Ram Air Section Technology“ (RAST) und „unterteilt damit einen Gleitschirm mit einer oder mehreren Schottwänden und Ventilen in unterschiedliche Druckbereiche. Dadurch entstehen Sektionen, die sich schneller oder langsamer füllen, je nach Wunsch des Konstrukteurs. So kann der Innendruck und damit die Stabilität und das Klappverhalten des Gleitschirms beeinflusst werden.“ (Quelle: swingtechnology.thermik.net)

Die Technologie:

Ram Air Section Technology RAST

Ram Air Section Technology RAST / Quelle: Swing

 

Die genannte Schottwand bildet hierbei eine im Kappeninneren quer zur Flugrichtung eingebaute Soll-Knicklinie, die dem Schirm vorgibt, bis in welche Bereiche sich der Schirm deformieren soll/kann, um überschüssige Energien durch Kappenstörungen abzubauen. Der hintere Bereich des Schirms bleibt durch die Abschottung der Wand während der Kappenstörung weitestgehend gefüllt und verhindert dadurch einen Kollaps bzw. den Totalverlust des Flügelprofils. Das System der Abschottung wird dabei jedoch erst aktiv, wenn Druckunterschiede im Schirm wirksam werden, d.h. bei Kappenstörungen, Klappern oder ähnlichen abnormalen Flugzuständen.

Ideales Startverhalten

Weitere Stärken spielt die RAST-Technologie außerdem während des Startens aus: Beim Aufziehvorgang verhindert die Schockwand das ungebremste Durchströmen der Luft in den hinteren Teil der Schirmkappe. Der vordere strömungsrelevante Teil des Schirms füllt sich in der Aufziehphase schnell, die eingebaute Schockwand lässt den hinteren Teil jedoch verzögert befüllen. Dadurch startet der Schirm harmonisch ohne Tendenz zum Überschießen und/oder Hängenbleiben.

Nachteile

Wo Licht ist, da ist auch Schatten, denn es gibt leider keine Vorteile ohne Nachteile. Die hohe passive Sicherheit wird mit mehr Segeltuch für die Schottwand erkauft, d.h. mehr Material, mehr Gewicht und auch ein Plus an Verarbeitungskosten. In Zeiten, in denen Schirme immer leichter und schneller werden müssen, ein für Manche vielleicht nicht unbedeutender Nachteil. Die Schottwand muss außerdem durch mehr Leinenansatzpunkte stabilisiert werden, mehr Leinenmaterialien bedeuten ebenfalls Einbußen in der Leistung.

Die genannten Nachteile sind im Verhältnis zu hoher passiver Sicherheit und idealem Startverhalten für Einsteiger und/oder Wenigflieger jedoch zu vernachlässigen. Swing hat das RAST-System deshalb in deren neuen A-Schirm MITO (EN/LTF A) während des Jahres 2015 bis hin zur Marktreife getestet und geht damit ab sofort in Serie. Die ersten Modelle werden ab dieser Woche an die Flugschulen ausgeliefert – und womöglich ist der MITO mit der neuen Technologie daher der ideale Schulungsschirm! (falls Swing mir ein MITO-Exemplar zum Testen zuschickt, kann ich das „womöglich“ womöglich noch streichen!) 🙂

Im Tandembereich gibt es ähnliche Anforderungen an ein ideales Startverhalten und an hohe passive Sicherheit, deshalb steht der erste Tandemschirm mit der neuen RAST-Technologie ebenfalls bereits in den Startlöchern. Der Tandem TWIN RS wird am Stubai-Cup erstmals der Öffentlichkeit vorgestellt. Weitere Schirmkonzepte, wie z.B. Hochleister, sind derzeit in der Erprobung und werden dieses Jahr getestet und weiter optimiert.

DHV-Sicherheitstests

Spannend wird ebenfalls, wie der DHV zukünftig mit diesem Paradigmenwechsel umgehen wird. Wie testet man einen Schirm in deren Testprogramm, das anhand provozierter Klapper die jeweilige Schirmreaktion bewerten möchte, obwohl der zu testende Schirm kein deutliches Einklappen mehr zulässt bzw. die gewünschten Klapper bereits im Ansatz selbstständig verhindert?! Ich bin gespannt… und werde das Thema natürlich weiter beobachten… 🙂

RAST – ram air section technology on Vimeo.

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