Paragliding Marokko 2016

posted by Markus 20. März 2016 1 Comment
paragliding marokko

Paragliding Marokko (Reisebericht)

Paragliding Marokko… „Erleben Sie die Schönheit eines so vielfältigen Landes und geben Sie sich Fantasien aus 1000 und einer Nacht hin.“ (Quelle: http://lernen-unibw.de) Das klingt vielversprechend und spannend, was wenn ich doch aber einfach nur fliegen möchte…

Während bei uns Anfang März die ersten Thermikblasen aus dem Winterschlaf erwachen, verspricht der Wetterbericht für Marokko mit +27° Celsius ideale Bedingungen, um fliegerisch in die neue Flugsaison zu starten.

Mit Stefan Zorn, Inhaber der Flugschule meines Vertrauens Blue Sky Hochpustertal, als erfahrenen Tourguide für diese Gleitschirmreise, darf ich mir sicher sein, dass Fliegen vor Sightseeing geht. Ich überlege daher nicht lange und buche die Tour – Chefbetreuung inklusive…

Der Flug mit Air-Berlin von München nach Agadir ist mit gut 3 Stunden kurzweilig, der Check-in gestaltet sich problemlos (trotz eines knappen Kilos Übergepäck). Ein Wermutstropfen: Das Platzangebot in der Air-Berlin-Maschine ist mittlerweile ein Witz! Es ist mir nicht möglich, meinen Mini-Laptop aufzuklappen und damit vernünftig zu arbeiten, so sehr wurde der Sitzplatzabstand bei Air-Berlin zusammengeschrumpft. Das ist bei Flügen über drei Stunden meiner Meinung nach nicht mehr akzeptabel und nötigt mich, den nächsten Air-Berlin-Flug (falls notwendig) doch wieder mit Notsitz-Option zu buchen.

In Agadir angekommen werden wir von Stefan und Abdoul, unserem marokkanischen Tourguide, bereits am Flughafen erwartet. Wir verladen unser Gepäck und düsen los… in unser 1000 und einen Flug-Abenteuer…

„Fahren wir ins Hotel zum Einchecken?“ Nope… es ist gerade mal Mittag, also warum Zeit mit Einchecken und Frischmachen verschenken! Zu meiner Freude geht es vom Flughafen direkt ins erste Fluggebiet zum Anfliegen. So soll das sein… ein guter Einstand!!!

Wir fahren an die Küste vor Tifnit, das liegt mit rund 40 km ca. 50 Busminuten südlich vom Flughafen Agadir entfernt. An der Küste lässt sich bei SW-NW Windrichtung und Windstärken ab ca. 15 km/h bereits soaren. Bläst aber ein 20er Wind oder mehr, so kann man entspannt anderthalb bis zwei Kilometer die Küste rauf- und runtersemmeln.  Leider stimmt zwar Windrichtung, aber Windstärke ist bisserl mau. Wir packen trotzdem unsere Schirme aus und spielen im und mit dem Wind. Als der etwas zunimmt und mir mein Mentor mit ungeduldigem Gezerre an meinen Tragegurten signalisiert, dass er losfliegen möchte, wage ich einen ersten Flug in den Marokkanischem Luftraum. Nennen wir es eher ein „Flügle“, denn leider reicht die Windstärke nicht aus, um vernünftig fliegen zu können. Ich kehre nach 400m wieder um und schaffe es gerade noch zum Startpunkt zurück, ohne dabei abzusaufen. 3 min geflogen… zählt als Anfliegen und Schirm entlüften – und macht Appetit auf mehr!!

Paragliding Marokko Tag 2

Paragliding in Marokko 2016An Tag 2 fahren wir von unserem Hotel in Aglou aus ca. weitere 40 Kilometer gen Süden auf einen ca. 350m hohen Hügel, dem Startplatz Nid d´aigle. Man nennt diesen Startplatz auch den „Engländer“, hat dieser sich vor Jahren das Stück Land gekauft und entsprechend zum Startplatz für Gleitschirmflieger und Hängegleiter umgerüstet. Die Infrastruktur ist Top, Platz am Startplatz und Startverhalten der Anwesenden ebenfalls, so kommt sich an diesem Tag trotz zwei weiterer anwesender Flugschulen niemand beim Starten und Landen in die Quere. Für mich ist die Möglichkeit hier topzulanden besonders hilfreich, so kann ich erstmals in aller Ruhe ein neues 3-Achsen-Gimbal austesten und mit unterschiedlichen Kameraeinstellungen spielen, ohne für den Technikumbau dabei ständig am Fuße des Berges einzulanden.

Wir fliegen in die Abendstunden hinein bis der Wind einschläft – und mit 4 mal toplanden, gut zwei Stunden Airtime und neuen Erfahrungen betreffs des 3-Achsen-Gimbals plus stabilisiertem Videomaterial ist mein Flugtag ohne Zweifel als Erfolg zu verbuchen. Gut gelaunt lassen wir den Abend im Hotel Aglou Beach bei lecker Tajine, Rotwein und Bier ausklingen und erzählen uns die ein oder andere Fliegergeschichte…

Paragliding Marokko Tag 3

Paragliding in Marokko 2016Ca. 10 km von Aglou entfernt liegt mit Aglou Beach ein Groundhandling und Soaringgebiet, das wir an Tag 3 ansteuern. Der West/Südwestwind soll stark zunehmen und ist mit prognostizierten 30er Windstärken an diesem Tag womöglich zu stark, um in zweiter Reihe beim Engländer fliegen zu gehen. Also packen wir unsere Schaufeln und Förmchen ein und gehen bisserl im Sandkasten spielen – und das macht Spaß! Der Südwest-Wind ist anfangs noch schwach, nimmt jedoch gemächlich zu. Als mir der Wind halbwegs tragfähig erscheint, wage ich den Küstenritt in Richtung Norden und kann mich aufgrund der dort höheren Küstenlinie gut halten. Gut eine Stunde Soaren bei perfekt laminaren Bedingungen, bevor der Wind kurz einschläft und dann verstärkt aus zu südlicher Richtung kommt. Aufgrund Stärke und Windrichtung ist an Groundhandling oder gar Fliegen nun leider nicht mehr zu denken, so beschließen wir den Nachmittag in Tiznit bei Kaffee und einem kleinen Schaufensterbummel zu verbringen.

Nach dem obligatorischem „Kulturprogramm“ fahren wir zum Übernachten nach Legzira, das liegt an der Küste ca. weitere 60 km südlich von Aglou. Wir kommen auf 18 Uhr in Legzira an und mir fallen bereits bei der Ankunft einige Möwen während des Soarens auf. Meine eher spaßige gedachte Randbemerkung bezüglich unserer gefiederten Kumpels… „eyh des geeeht zum Fliegen…, schaut euch die Vögel an“ wird von Stefan und Abdoul ohne Zögern umgesetzt in ein „in 5 min wieder am Bus… geh ma Fliegen“…. Geilo!! Einchecken und Frischmachen wird mal wieder überbewertet und wir besinnen uns auf das Wesentliche… Fliegen – und genau so soll das sein!!!

Paragliding in Marokko 2016Ca. 300m Strandspaziergang von unserem Hotel entfernt befinden sich die „Bögen von Legzira“, ein Naturschauspiel mit vier vom Meer ausgespülten Felstoren und Höhlen. Und eben genau über dem ersten der großen Fels-Tore legen wir unseren Schirm aus und soaren in den Sonnenuntergang hinein. Trotz wenig Wind gelingt mir an dem Abend die Landung am Strand direkt neben unserem Hotel. Ich bin happy und werte den Tag mit gut 2 Stunden Airtime erneut als Erfolg… Am Abend lassen wir den ereignisreichen Tag mit fangfrischem Fisch, lecker Rotwein, Bier und weiteren spannenden Fliegergeschichten ausklingen…

Paragliding Marokko Tag 4 & 5

Bou Larif heißt unser Startplatz für Tag 4 und Tag 5, dieser liegt ca. anderthalb Kilometer Luftlinie im Hinterland zu Legzira. Der ca. 350m hohe Hügel eröffnet uns neben dynamischen Soaringoptionen auch die Möglichkeit auf thermisches Fliegen. Und falls man den Weg bis zur Küstenlinie bewältigt ohne abzusaufen, fliegt man einfach bis vor zum Torbogen und soart dort eben weiter oder landet ganz einfach neben dem Hotel. In Summe darf ich während der beiden Tage gute 4 Stunden Airtime für mich verbuchen, Sonnenuntergangssoaren mit Landung am Hotelstrand und applaudierendem Publikum inklusive. Ist schon irgendwie nett hier… 🙂

Paragliding Marokko Tag 6

An Tag 6 fahren wir in den gut 3 Stunden entfernten und von einer grandiosen Berglandschaft umgebenden Hauptort des Anti-Atlas-Gebirges, nach Tafraout. Die dortigen Granitfelsen schimmern in den Abendstunden in allen Nuancen und haben bizarre Formen. Ca. 10 km hinter Tafraout liegen die blauen Steine von Tafraout und nicht unweit davon unser Startplatz.  Die Landschaft ist wirklich atemberaubend, wenngleich ich den Beweggründen des belgischen Künstlers mal 20 Tonnen Farbe in der Landschaft zu verschmieren und Steine anzumalen, nicht ganz folgen kann. Dennoch sind die Steine ein dankbares HDR-Fotomotiv,…

 

Paragliding in Marokko 2016Fliegerisch geht’s hier zur Sache, der Wind am Startplatz ist stark und die durchziehenden Thermiken sind nicht von schlechten Eltern. Dennoch kann ich mich nach meinem Start schnell bis auf 1900m hochschrauben und erfreue mich an knapp 2 Stunden fliegen, bis die Sonne untergeht. Die felsige und karge Gebirgslandschaft in der goldgelben untergehenden Sonne zu überfliegen, ist ein atemberaubendes Erlebnis, das ich bis in den Abend hinein genießen darf. Nach meiner Landung bin ich happy und dankbar…

Paragliding Marokko Tag 7

An Tag 7 fahren wir wieder zurück nach Agadir, nicht aber ohne vorher nochmals einen Abstecher nach Tifnit zu unternehmen, es könnte da ja vielleicht noch was gehen… 🙂 Für mich ist der Wind leider zu schwach und der Andrang am Startplatz zu groß, daher beschließe ich nach drei Hopsern mein Urlaubserlebnis erfolgreich zu beenden und packe meinen Schirm reisefertig zusammen. Eigentlich eh kloar, dass nach meinem Abschluss plötzlich der Wind zunimmt und es wunderbar geht zum Fliegen… leider müssen wir aber zwei Flieger unserer Reisetruppe bereits am Abend in Agadir abliefern da diese die Anreise selbst gebucht hatten. Und für die verbleibende halbe Stunde nochmals Schirm auspacken und einsauen, dafür ist dann mein Stolz zu groß… 🙂 außerdem bin ich sattgeflogen!

Nachdem wir unsere beiden Individualreisenden am Busbahnhof abgeliefert hatten, unternehmen wir noch einen kurzen Sighseeing-Trip an die verfallene Kasbah hoch über Agadir. Der Sighseeing-Spot auf 236m ist schon alleine wegen des Ausblicks auf Agadir einen Besuch wert. Früher wurde hier noch geflogen, dies ist mittlerweile aber leider nicht mehr möglich. So stehe ich an der Kasbah und überblicke Agadir sowie die Marina am Fuße des Berges. Die während dieses grandiosen Ausblickes langsam untergehende Sonne bewegt mich zum Träumen…

… ich schließe meine Augen und sehe mich startbereit auf der Kasbah, den Schirm zwischen den Sendemasten ausgelegt, beide Tragegurte in der Hand meinen Blick den soarenden Möwen folgend. Ein kurzer Ruck und ich befinde mich in der Luft,… fliege über die Kasbah, mit Blick über Agadir, die Marina, den Strand…ich sehe zwei an der Kasbah wild mit den Armen gestikulierende und pfeifende Personen (die ich nicht kenne) aber das kümmert mich nicht. Ich fliege in den Sonnenuntergang hinein… der Anblick…,das Gefühl ist grandios!!!…

…plötzlich öffne ich wieder meine Augen und sitze mit der Gruppe im Auto auf dem Weg zurück ins Hotel. Hab ich eben bisserl taggeträumt,… aber effizient, denn ein Grinsen kann ich mir dabei nicht verbergen.

Und das war’s dann auch schon, an Tag 8 geht der Flieger wieder zurück in die Heimat… summa summarum ein erfolgreicher Fliegerurlaub mit gut 10 Stunden Airtime, interessanten Bildern und Erfahrungen…

Meine Erfahrungen mit dem 3-Achsen-Gimbal werde ich in einem separaten Bericht verarbeiten.

Vielen Dank an Stefan von BlueSky, Abdoul unseren Guide und unsere Flieger-Gruppe für eine gelungene Auszeit!!!

Always happy landings…

 

Markus

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